Segelklub Bayer Uerdingen e.V.

Regattasegeln in Zeiten von Corona

Donnerstag, 12. Nov 2020, 16:40 Uhr

SKBUe-Segler Christian Schäfer berichtet von einer sehr ungewöhnlichen Saison: Ich bin seit mittlerweile vier Jahren in der Einhand-Katamaran-Klasse „A-Cat“ unterwegs, bin beim Foilen noch mitten in der Lernkurve und möchte hier von meinen Regatta-Erfahrungen in diesem durch die Pandemie geprägten Jahr 2020 berichten. Angefangen haben die guten Vorsätze für die Segelsaison bereits in 2019 nach der IDB am Gardasee und so hatte ich Pläne für Verbesserungen am Material, Foil-Training am Gardasee und nicht zuletzt die Teilnahme an diversen Regatten in 2020. Soweit sicher nichts Ungewöhnliches im Leben eines Regattaseglers. Doch dann kam aus bekannten Gründen alles ganz anders ...

Ein vor Ostern geplantes Trainingsprogramm am Gardasee wurde durch die tragische COVID Situation in Norditalien abgesagt, dann wurden sämtliche Regatten gestrichen und selbst das Betreten der Segelvereine war nicht mehr möglich.

Nach der Lockerung in NRW konnte ich dann Mitte Mai wieder aufs Wasser, die ersten Regatten in Deutschland und sogar eine Wiederholung des Gardasee-Trainings war wieder auf dem Programm. Aber insbesondere die Regatten im Süden Deutschlands wurden dann nach einer Entscheidung des bayrischen Seglerverbandes wieder kurzfristig kassiert.

Durch Verletzungspech war dann neben 6 Wochen Segelpause im Juli auch das wiederholte Training am Gardasee durch die Lappen gegangen, so dass sich der Herbst als heimliche Regattasaison abzeichnete.

Highlight war hier in der ersten Septemberwoche der 4Nations-Cup der A-Cat Klasse im niederländischen Hellevoetsluis am Haringvliet, einem idealen Kat-Revier, von der Nordsee nur durch ein Sperrwerk getrennt und mit einem kilometerlangen Strand. Die Regatta ist eine gemeinsame „Meisterschaft“ der niederländischen, belgischen, britischen und deutschen A-Cat Segler und war von der Teilnahme mit einer kleinen Euro zu vergleichen. Leider hat den britischen Seglern bereits zu diesem Zeitpunkt die Risiko-Einstufung die Teilnahme quasi verwehrt, dennoch haben sich knapp 60 A-Cats aus neun Nationen an der Startlinie eingefunden und es konnten an drei Tagen 15 Wettfahrten gesegelt werden.

Im A-Cat wird zwischen foilenden und nicht-foilenden (Classic) Booten unterschieden, bei größeren Regatten gibt es denn auch wie hier getrennte Bahnen.

Für mich war die Teilnahme an sich schon ein Ereignis und am Anfang meiner Foiling-Erfahrungen war ich bei den Bedingungen froh über die Runden zu kommen und hier und da am Ende des Feldes kleine Matches zu gewinnen. Immerhin konnte ich meine krasse Amwindschwäche vom Vorjahr überwinden – „fat is fast“, da hatte meine Sportpause doch noch was Gutes. Für die COVID-Auflagen der Regatta wurde das bei Meisterschaften übliche Dinner gestrichen und der Aufenthalt im Clubhaus war nur zum Abholen von Getränken erlaubt. Weiterhin gab es eine Einbahn-Regelung beim Betreten und ein virtuelles Notice Board via WhatsApp. Das Prinzip könnte aus meiner Sicht auch gerne nach Corona genutzt werden!

Gewonnen hat die Regatta bei den Foilern Mischa Heemskerk, der auch amtierender Weltmeister der Klasse ist. Insbesondere durch sein Amwind-Foilen segelt er aktuell in einer eigenen Liga und ist international auf Augenhöhe mit dem A-Cat Rekordweltmeister und Americas-Cup Gewinner Glenn Ashby. Bei den Classic Booten gewann deutlich der in Spanien lebende schottische Segelmacher Micky Todd.

Für mich ging es dann mit dem Regattasegeln einige Wochen später in Steinhude mit dem A-Cat Ausklang weiter.

Inmitten einer herbstlichen Wetterlage waren die Windprognosen während der Woche volatiler als mancher Aktienkurs, so dass am Samstag aus dem angekündigten Starkwind ein Warten auf den Wind bis 16 Uhr wurde.
Nach dem üblichen überwinden der flachen Uferzone fanden sich die 10 A-Cats an der Startlinie ein. Die einzige Tageswettfahrt konnte Alex Meister mit großem Vorsprung für sich entscheiden, zweiter wurde Jörg Horn auf einem klassischem Nikita. Im Mittelfeld musste ich dann beobachten, dass sich Foilen entgegen meiner Einschätzung auch im unteren Windbereich gewinnbringend auswirken kann, wieder was gelernt! Foilen ist bei den Bedingungen immer eine Wette auf einen besseren Downwind-VMG, und dann reicht auch ein erfolgreicher „Flug“ um am halben Feld in Richtung Leetonne vorbeizufliegen. Die Windgrenze ab wann das Foilen in der Regatta aufgeht sinkt mit fortschreitender Verbesserung der Foils, aktuell sind das rund 7kt Wind Downwind, Upwind ca. 12 kt Wind.
Auf eine zweite Wettfahrt wurde bei Dauerregen und einsetzender Dämmerung dankenswerterweise verzichtet.
Für Sontag stand dann später am Abend ein 10:00 Start auf dem virtuellen Notice Board. Bei deutlich schwächeren Winden fand die erste Wettfahrt Jörg Horn als Sieger vor Arnd Meyer. Ich habe an dem Tag wohl mein Leichtwindglück gefunden und wurde dritter.

Trotz weiter nachlassendem Wind entschloss sich die Wettfahrtleitung zu einem zweiten Tageslauf, der in stark drehenden Winden gestartet wurde. Hier konnte nach Verkürzung erneut Jörg Horn siegen, meinen zweiten Platz konnte ich gerade eben noch über die Linie retten.

Für das „Homerace“ war teilweise Schlepphilfe nötig.
Im Gesamtergebnis gewann Jörg Horn vor Arnd Meyer ich war dritter.

An COVID-Vorkehrungen war das übliche Prozedere angesetzt, Masken drinnen, Abstand, elektronische Meldung mit gescanntem Haftungsausschluss usw.

Interessanterweise haben die Steinhuder Vereine bereits eine App der Wettfahrtgemeinschaft, die als virtuelles Noticeboard arbeitet.

Nach dem guten Abschneiden in Steinhude wollte ich es dann nochmal wissen und habe mir beim Pizza Open in Wismar das Meisterschafts- sorry IDB-Revier von 2021 angeschaut.

Das Wetter war hier eher ein Kontrastprogramm zu Steinhude, nachdem es sich am Samstag erst spät abgezeichnet hat, dass der starke Wind nachlässt(22kt, Böen weit mehr) ging es aufs Wasser mit für mich und viele andere grenzwertigen Bedingungen.

Am Sonntag waren die ersten beiden Wettfahrten von den Bedingungen etwas gemäßigter, für mich aber immer noch in erster Linie eine Erweiterung meiner Erfahrungen!

Gewonnen hat hier souverän Alex Meister.

Die COVID Vorkehrungen bestanden im Wesentlichen aus einer Einbahnstraßenregelung im Clubhaus und einem Socializing draußen (mit -nomen est omen: Pizza!) , was bei den Temperaturen auch noch ging.

Rückblickend auf die Regatten kam dann wenige Wochen nach dem 4Nationscup die Reisewarnung für die Niederlande und weitere A-Cat Regatten wurden abgesagt und ich war froh wenigstens drei Regattateilnahmen in diesem Jahr realisieren zu können. Den Veranstaltern aller Regatten in diesem Jahr kann garnicht genug gedankt werden, das Wagnis und alle Auflagen auf sich genommen zu haben. Und wie sonst auch im Leben können Krisen ja auch überfällige Veränderungen beschleunigen, die beschriebenen „Digitalisierungen“ sind aus meiner Sicht ein Teil davon, einiges davon lässt sich auch ohne großen Invest pragmatisch anwenden.

Mittlerweile bin ich wieder auf heimischen Gewässern im Wintertrainingsmodus um an diversen Schwachstellen zu arbeiten und als Motivation liegt in der Halle neben aktuelleren Rudern und Foils schon als Update eine neue Plattform des bewährten Exploder AD3 A-Cats, die noch etwas Arbeit benötigt und dann für die hoffentlich stattfindende Regattasaison 2021 bereitsteht. Aber – man ahnt es – das Wichtigste ist immer noch:  Segeln, Segeln, Segeln. Und das gilt insbesondere, wenn man das Foilen meistern will.

Termine

  • SHS-online Kurs
    Repeats every week every Sunday except So Dez 20 2020, So Dez 27 2020.
    06.12.2020, 10:00 Uhr bis 13:30 Uhr
  • Theorie/Sport/Spiel
    Repeats every week every Monday and every Wednesday.
    07.12.2020, 16:30 Uhr bis 18:30 Uhr
  • SKS - online Theoriekurs
    Repeats every week every Monday.
    07.12.2020, 18:45 Uhr bis 20:30 Uhr

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